Februar und März 2011: "Politische Spaziergänge"
Jeden Donnerstag um 18 Uhr finden seit dem 3. Februar 2011 die politischen Spaziergänge statt. Jeden Abend mit einem Thema zum "Hotel Silber".

Nachdenken in der Denkpause
„Es macht natürlich einen großen Unterschied, ob ich sagen kann,“ hier steht“ oder“ hier stand mal“. (…) Didaktisch gibt es gute Gründe, diesen Ort zunächst einmal sehr genau zu diskutieren, diese Orte geben dem Gedächtnis räumliche Schwerkraft und Anhaltspunkt.Sie konkretisieren die Geschichte vor 45 und den Umgang nach 45 damit, sie sind Sachzeugnisse, sie sind real, aber sie sind auch Medien der Vermittlung, denn sie sind geeignet historische Vorstellungskraft in Gang zu setzen. Und historische Vorstellungskraft ist das, um was es uns pädagogisch in vielem gehen muss.“
Prof. Dr. Volkhard Knigge, Leiter der Gedenkstätte Buchenwald bei der Anhörung im Stuttgarter Rathaus am 17. Juli 2010
Donnerstag, 10.02.2011: Politischer Spaziergang

Donnerstag, 17.02.2011: Politischer Spaziergang

Fritz Endemann: Gestapo und NS-Strafjustiz - Der Vortrag zum Nachhören

Das Thema des Rundgangs lautete "Gestapo und NS-Strafjustiz - der Weg von Verhör und Folter zum Justiz-Schafott in der Urbanstraße".

Verhör und Folter fanden in den Obergeschossen der Gestapo-Zentrale, dem "Hotel Silber", in der Dorotheenstraße statt.
Aus diesem Grund war der Eingang des Gebäudes die erste Station des Rundgangs.
Bisher erinnert lediglich eine Tafel im Inneren des Eingangsbereiches an die Funktion des Gebäudes während der Zeit des Nationalsozialismus.
Aber auch nach 1945 wurde hier, immer noch auf Grundlage der Nazigesetzgebung, z.B. die Verfolgung der Homosexuellen fortgeführt.

Der Redner dieses Abends war Fritz Endemann.
Als Richter im Ruhestand, Mitautor des Buches "Stuttgarter NS-Täter" und Mitglied der Stolpersteingruppe Stuttgarter Neckarvororte erläuterte er die Veränderungen des Strafrechts im Nationalsozialismus und die sich daraus ergebenden Folgen für diejenigen, die mit der Justiz in Berührung kamen.
Hören Sie den Vortrag am Eingang des "Hotel Silber" in zwei Teilen:
Teil 1
Teil 2

Die nächste Station des Rundgangs war das Justizviertel.
Freundliche Beamte der Stuttgarter Polizei geleiteten die ca. 100 Teilnehmer dazu sicher über den Charlottenplatz.
Auf den Stufen der Treppe zum Landgericht fand dann die Fortsetzung des Vortrags von Fritz Endemann statt. Im Abschluss daran erläuterte Harald Stingele die Geschehnisse und Zusammenhänge des Protests für den Erhalt des "Hotel Silber".

Die Hinrichtungsstätte der Justiz befand sich im Lichthof des im September 1944 zerstörten Landgerichtsgebäudes. Dort befindet sich heute ein Parkplatz ohne einen Hinweis auf die Geschichte dieses Ortes.
Erst auf die Initiative Fritz Endemanns hin entstand das in die Mauer am Aufgang zum Landgerichts in der Urbanstraße eingelassene "Mahnmal für die Opfer der NS-Justiz am Landgericht Stuttgart".
Weitere Informationen zum Landgericht Stuttgart...
Donnerstag, 24.02.2011: Politischer Spaziergang



- Der Schatten von Breuninger auf dem "Hotel Silber" (Gebäuderückseite)
Am 24. Februar wollte Roland Maier, einer der Autoren des Buches "Stuttgarter NS-Täter", über die Firma Breuninger sprechen.
Rund 150 Menschen waren gekommen um den Vortrag anzuhören. Dies drohte jedoch an der nicht rechtzeitig eingetroffenen Lautsprecher- anlage zu scheitern. Spontan erklärte sich die Polizei bereit, den Lautsprecher ihres Wagens als Verstärker zur Verfügung zu stellen. Als Roland Maier dann seine Rede aus dem Polizeiauto heraus beginnen wollte, traf die Lautsprecher- anlage doch ein. Der nachfolgend in zwei Teilen aufgezeichnete Vortrag über die Firma Breuninger beginnt deshalb mit einem Dankapplaus für die freundlichen Polizeibeamten:
Nachdenken in der „Denkpause“ - Ein Denkvorschlag für die Firma Breuninger von Harald Stingele
Auch die Firma Breuninger trägt eine Verantwortung für die Stadtkultur. Alfred Breuninger, der Firmenchef in der NS-Zeit, war ein Profiteur des Nazi-Regimes. Das hat Roland Maier beschrieben im Buch „Stuttgarter NS-Täter“. Für das Handeln der Firmenleitung in der NS-Zeit kann die heutige Firmenleitung nicht verantwortlich gemacht werden; doch sie trägt eine Verantwortung für den geschichtsbewussten Umgang mit diesem Erbe.
Der Investor Willem G. van Agtmael könnte in der Denkpause darüber nachdenken, was eigentlich Breuninger nützt und was schadet. Ob es dem Ruf seiner Firma nicht schadet, wenn er das Neubauprojekt gegen den Bürgerwillen durchdrückt. Warum sich, wie die Historikerin Linde Apel von der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg bei der Anhörung im Stuttgarter Rathaus im Juli 2010 erklärte, „heute stadtplanerische und international neue urbane Bauvorhaben besser vermarkten lassen, wenn man nachweisen kann, dass die dunklen Seiten der Geschichte nicht überbaut werden“. Sie bezog sich dabei auch auf die Erfahrung in der Hamburger Hafencity. Ob es der Firma Breuninger nicht nützen könnte, wenn in unmittelbarer Nähe des Stammhauses ein lebendiges Bildungszentrum entsteht, das Besucherinnen und Besucher weit über Stuttgart hinaus anzieht. Ob sich Breuninger also nicht im eigenen Interesse für eine Lösung einsetzen sollte, die den Erhalt des Hotels Silber im Rahmen des Neubauprojekts möglich macht. Willem G. van Agtmael könnte so auch zeigen, dass er die richtigen Lehren aus der Geschichte seines in die NS-Verbrechen verstrickten Vorgängers Alfred Breuninger gezogen hat.
Donnerstag, 03.03.2011: Politischer Spaziergang

Donnerstag, 10.03.2011: Politischer Spaziergang
Die Verfolgung der Homosexuellen (in der NS-Zeit und nach dem Krieg durch die Kripo im Hotel Silber)
Viel Zuspruch erhielt der Politische Rundgang am 10.03.2011.
Veranstaltet wurde er von der Weissenburg e.V., dem schwul-lesbischen Zentrum Stuttgart.
Am Leonhardsplatz 15 wurde im Jahr 2010 der erste Stuttgarter Stolperstein für einen Homosexuellen verlegt. Vor Ort erinnerte Elke Martin von der Stolpersteininitiative an Willi Karl App, für den dieser Stein verlegt wurde.
Zuvor sprachen am "Hotel Silber" Joachim Stein von der Weissenburg über das Thema "Hotel Silber und die Verfolgung der Homosexuellen - auch nach 1945" und Chris Michl von der IG CSD. Er stellte den Bezug zum diesjährigen CSD-Motto "GENERATION ZUKUNFT" und der damit verbundenen Schirmherrschaft der CDU her.
Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie >>hier
Rede von Joachim Stein (Auszug)
Rede von Chris Michl
Die Verstrickung der Finanzbehörden

Trotz des schlechten Wetters waren zahlreiche Menschen gekommen, um auf dem vorletzten "Politischen Rundgang" unserer Initiative vor der Landtagswahl den Vortrag von Martin Ulmer zu hören.
Der Kulturwissenschaftler, Historiker und Autor des neuen Buchs "Antisemitismus in Stuttgart 1871 - 1933" und Mitautor des Buchs "Stuttgarter NS-Täter" sprach über die Bedeutung der Finanzbehörden in der nationalsozialistischen Judenpolitik.
Stationen dieses Rundgangs waren der Eingang des "Hotel Silber" in der Dorotheenstraße sowie der Schlossplatz in relativer Nähe des Finanzministeriums.
Hören Sie im folgenden die Rede von Martin Ulmer an diesen beiden Stationen, gefolgt von dem Schlusswort von Harald Stingele. Dieser rief darin zu einer regen Beteiligung am 24. März, beim letzten "Politischen Spaziergang" vor der Landtagswahl, auf.
An diesem Abend wollen wir eine Menschenkette um das Gebäude "Hotel Silber" bilden. Etwa 200 Menschen sind dazu nötig, die Kette zu schließen.







